Proyecto Chiriboga in Euador

von Katharina

Das Proyecto Chiriboga findet jährlich in den Sommermonaten in Ecuador statt. Die Workcamps dauern jeweils vier Wochen und werden in den Monaten Juli, August und September angeboten. Die Fundación Proyecto Chiriboga aus Quito, die das Projekt koordinierende Organisation vor Ort, entsendet zudem auch Langzeitvolontäre in verschiedene Regionen Ecuadors.

o1 o2

Das Workcamp

Das Workcamp war in zwei Abschnitte aufgeteilt. Anreise war nach Quito, die ersten Tage danach verbrachten wir in Chiriboga, einem kleinen Ort 50 km südwestlich von Quito im Nebelwald, wo die Organisation ein großes Stück Land besitzt, das erhalten werden und vor Abholzung geschützt werden soll. Dort führten wir ein Inventarium der bestehenden Bewaldung unter Mithilfe von Student*innen der lokalen Universitäten bzw. andere anfallenden Arbeiten durch (was die meiste Zeit Forellenbecken säubern oder Obst pflücken war). Am darauffolgenden Wochenende reisten wir dann über Quito nach Jipijapa in der Provinz Manabí, wo wir die nächsten drei Wochen verbringen sollten. Hier war die eigentliche Aufgabe, Englisch an Grundschulen und colegios (Art von berufsausbildenden und universitätsvorbereitenden Schulen, ähnlich wie Oberstufe am Gymnasium) zu unterrichten.

Da wir eine große Gruppe waren, konnten nicht alle von uns unterrichten, deshalb wurde ich und eine weitere Teilnehmerin der „Unidad de Higiene y Salubridad“ (etwa: Hygiene- und Heilsamkeitsabteilung) des Rathauses zugeteilt. Dieses führten zu dieser Zeit eine Reihe von Vorträgen und Workshops an Schulen durch, um die Schüler über Themen wir Mülltrennung und andere Umweltproblematiken zu informieren, zu denen wir sie begleiteten. Außerdem säuberten wir mit den Mitarbeiter*innen der unidad einen Straßenabschnitt von Müll und pflanzten dort Bäumen. In dem ganzen Zeitraum in Jipijapa waren wir in Gastfamilien untergebracht.

Es waren elf Teilnehmerinnen, davon eine Hälfte Deutsche, die andere Französinnen sowie eine Italienerin. Einige sprachen kein Spanisch und sehr wenig Englisch, wodurch teilweise die Kommunikation etwas schwierig war.

 

m1m2

Persönliche Erfahrung

Das Workcamp war für mich eine wunde rbare Möglichkeit, Ecuador von einer anderen als der touristischen Seite kennenzulernen. Ecuador ist ein faszinierendes Land mit einer unglaublichen Vielfalt in der Natur, ein Land, in dem man in ein paar Stunden Busfahrt die vier Jahreszeiten und komplett verschiedene Vegetations- und Klimazonen durchqueren kann. Die Arbeit des Workcamps war leider zum Teil wenig befriedigend, da wir bei den Vorträgen kaum aktiv teilnehmen konnten bzw. vorgebrachte Ideen und Vorschläge höflich ignoriert wurden. Für mich schien es, als ob der Hauptgrund dafür, dass wir an den Vorträgen teilnehmen sollten, war, dass wir als Europäerinnen in Jipijapa extrem viel Aufmerksamkeit erregten und somit das Projekt der Mülltrennung ebenfalls Beachtung erfuhr. Etwas bizarr war auch, dass wir mehrmals wöchentlich Interviews für Lokalfernsehen und Radio geben sollten, eine Aufgabe, die meist mir zufiel, da mein Spanisch am besten war. Ich verstehe sehr gut die Gründe, warum wir quasi für ihre Zwecke benutzt wurden, und grundsätzlich störte es mich auch nicht, nur kam ich mir die Zeit über relativ nutzlos vor. Zudem verbrachten wir viele Stunden damit, darauf zu warten, was als nächstes passiert. Die Menschen waren aber durchgehend unglaublich freundlich und herzlich, und es war sehr spannend einen Einblick zu erhalten, wie Ecuadorianer arbeiten und wie sie versuchen, die Probleme, die im Land bestehen, zu lösen.

Das Beste am Workcamp war für mich persönlich meine wunderbare Gastfamilie, die mich wie ein Familienmitglied aufnahm. Ich wohnte im Haus einer Großmutter, tagsüber war das Haus voll mit Kindern und Enkelkinder, und so eine herzliche und liebevolle Aufnahme habe ich noch nie erlebt. Jipijapa ist kein Ort, in dem man als Tourist gerne bleiben wollen würde, aber in dieser Familie habe ich mich komplett wohl gefühlt und war sehr traurig, als ich sie verlassen musste.

Ein kleiner Kritikpunkt für mich war die Organisation in Quito. Meinem Empfinden nach war die Finanzierung des Workcamps etwas undurchschaubar. Der Campbeitrag betrug € 320,-  was in Ecuador eine sehr große Summe ist. Ein (zu kleiner?) Teil davon ging natürlich an die Gastfamilien, der Rest war in Unterkunft, Material und Unterstützung der Organisation aufgesplittet. Ständig wurden von der Organisation zudem Extrakosten für Busfahrten, Internet, Wäsche, etc verrechnet. Ich kann natürlich irren, aber ich hatte das Gefühl, dass der Beweggrund für die Organisation von Freiwilligendiensten hauptsächlich der finanzielle Aspekt war, was sich in dem Verhalten uns Freiwilligen gegenüber zeigte.

Sobald wir in Jipijapa waren, wurden wir von einer Koordinatorin vor Ort betreut, die aber kaum präsent war. Es wurden in dieser Zeit keine Gruppenaktivitäten organisiert, teilweise konnten wir an den freien Wochenenden gemeinsam Dinge unternehmen. Leider bildete sich dadurch und durch die erwähnten Sprachschwierigkeiten leider nie eine Gruppendynamik, wie ich sie von anderen Workcamps kannte.

u1 u2

Würde ich es wieder machen?

Ja, auf jeden Fall! Trotz aller Kritikpunkte hatte ich eine wunderbare Erfahrung, habe tolle Menschen kennengelernt und viel über ein mir bis dahin unbekanntes Land gelernt. Ich würde allerdings empfehlen, wirklich nur mit Minimum Grundkenntnissen bis guten Kenntnissen in Spanisch hinzufahren, da die Erfahrung eine ganz andere ist, wenn man kommunizieren kann. Außerdem erschwert nicht vorhandenes Spanisch logischerweise sehr das Englisch unterrichten. Vor Ort lernt man dann sehr schnell dazu bzw. kann Gelerntes auffrischen.

August 2011