Seminar zu Volunteering in Konfliktregionen

Verfasst von Magdalena Nagele

Vom 20.-27.1. durfte ich als eine von knapp 30 TeilnehmerInnen das internationale TrainingsseminarVolunteering for peace – Capacity building in conflict regions“ in Barnstorf (Deutschland) besuchen. 

SAM_4447bErmöglicht wurde das Seminar durch den SCI Deutschland, SCI Italien, SCI Ungarn, Volunteers‘ Centre Zagreb, Utilapo Network, No More War und CR Teams sowie die finanzielle Unterstützung der European Youth Foundation des Europarats.

Die Zielgruppe des Trainings waren Trainer, denen die notwendigen praktischen Fähigkeiten, das know-how und die Kompetenzen vermittelt werden sollten, um Freiwillige auf den Einsatz in Konfliktregionen vorbereiten zu können, Betroffene aus Konfliktregionen, sowie Personen, die selbst als Volunteers in Konfliktregionen zu gehen planten.

Bereits durch diese Mischung an verschiedenen Zugängen zur Thematik war die Möglichkeit für einen fruchtbaren Austausch gegeben, selbiger wurde aber durch die interkulturelle Besetzung des Seminars besonders gefördert:

Die Teilnehmer und Trainer stammten aus Albanien, Ägypten, Belgien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Kroatien, Nigeria, Pakistan, Serbien, Spanien, Schweiz, Sri Lanka, Tschechien, und Ungarn. Die Länder ebenso wie die Menschen waren unterschiedlich mit Konflikten in Kontakt gekommen: gewähltermaßen oder biografisch bedingt unfreiwillig, und ebenso verschieden hinsichtlich Dauer und Intensität.

Für uns bedeutete dies ein vielfältiges und sich im Laufe der Woche ständig erweiterndes Bild von Konflikten und dem Umgang mit selbigen. Jeder war bereit, seine Erfahrungen und Gedanken zu teilen, – was gerade bei sehr persönlichen Schilderungen ja nicht selbstverständlich ist und gerade deshalb aber so bereichernd und auch zusammenschweißend – sodass oft viele Perspektiven im Raum standen, und sich der eigene Standpunkt teilweise näher zu anderen hin verschob, wenn Aspekte aufkamen, die einem selbst nicht in den Sinn gekommen waren, wie etwa durch die eigene „westliche Brille“.

SAM_4602bUntergebracht waren wir im freien Tagungshaus Eine-Welt-Werkstatt, ein nicht nur farblich kunterbuntes, einladendes Haus, das gleich bei der Ankunft Wohlfühl-Faktor verströmte. Im Erdgeschoß waren die Küche, ein Aufenthaltsraum sowie 3 kleinere Nischen mit Tisch, auf welche wir dann zurückgriffen, wenn die Gruppe in Kleingruppen aufgeteilt wurde.

Zusätzlich hatten wir auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen weiteren Raum, die „Arena“: ein Turnsaal, der viel Raum für Aktivitäten wie beispielsweise Rollenspiele bot, und zudem einen zwischendurch angenehmen Tapetenwechsel bedeutete.

Die Schwerpunkte des Seminars waren:

  • Austausch von Erfahrungen und Ideen bezüglich Konfliktarbeit
  • Kriegspsychologie,u.a. nationales Stereotyping, Vorurteile, Gruppenprozesse…
  • Die Rolle der Medien
  • Die Rolle der Volunteers: was kann getan werden, was soll vermieden werden – Sicherheit, Rolle, Verantwortung, Möglichkeiten und Grenzen
  • Psychologische Supervision
  • Die Rolle des SCI in der Freiwilligenarbeit in Konfliktregionen
  • Schreiben eines Manuals

Der Wochenablauf war im Vorhinein relativ offen, um möglichst viel Freiraum für alles sich Ergebende zu lassen, und den Teilnehmern flexibel Raum zu geben, sich immer wieder aktiv einzubringen. Vorgegeben waren nur einzelne Module, alles andere ergab sich dann vor Ort, ermöglicht dadurch, dass die einzelnen Teilnehmer nach der erhaltenen Teilnahmebestätigung schon dazu aufgefordert worden waren, „Material“, im reellen oder ideellen Sinne, vorzubereiten und mitzubringen.

Der grobe Ablauf sah in etwa so aus:

Wir frühstückten um 8:30, und starteten eine Stunde später mit der ersten Session, welche sich täglich um Psychologisches drehte.

Nach einer Kaffeepause oder einem Energizer ging es weiter mit Präsentationen von Fallstudien (Beispiele: Ghettoisierung der Roma in Serbien, Umgang mit letzteren als Minderheit in Tschechien, Empowerment-Projekte in Sri Lanka) oder Rollenspielen.

Mittagessen (13:30) wurde ebenso wie das Abendessen (18:30) für uns zubereitet, es gab immer reichlich zu essen und schmeckte stets vorzüglich, auch wurde den verschiedenen Essensstilen/-gewohnheiten Rechnung getragen: es gab auch vegetarisches und veganes Essen.

Am Nachmittag standen zumeist workshops am Programm, wir erstellten auch ein Manual für Trainer, welche Volunteers bei ihren Einsatz in Konfliktregionen betreuen, um die erarbeiteten Inhalte und Einsichten festzuhalten. Ein Nachmittag war frei, um Bremen zu besuchen.

Die Abende waren frei, nicht selten führten wir die im Laufe des Tages entbrannten Diskussionen fort, denn es schien nie genug Zeit zu sein, um Debatten angemessen zu Ende zu führen, da alle Themen ineinandergriffen, und es somit stets eine Herausforderung war, einen abgrenzenden Schlussstrich zu ziehen.

Abgesehen von der Erschöpfung hatten wir immer lustige Abende, irgendwann waren die ernsten Themen vom Tisch, und wir saßen in einer gemütlichen Runde beisammen und lachten viel. Am Ende der Woche gab es auch einen internationalen Abend, zu welchem jeder Spezialitäten aus dem eigenen Land mitgebracht hatte, und teilweise auch Tänze und Musik miteinander geteilt wurden.

Als sich die Woche dem Ende zuneigte, waren wir als Gruppe richtig zusammengewachsen, und hatten alle den Wunsch, in Kontakt zu bleiben. Am liebsten wären wir noch ein paar Tage ohne Programm beisammen gewesen, um uns jenseits von Konfliktthematiken kennenzulernen.

Auf jeden Fall war es eine sehr intensive, lehrreiche Woche, von der ich viel mitnehmen durfte, und einerseits dankbar um die inhaltliche Bereicherung bin, aber es ebenso zu schätzen weiß, einige Menschen kennengelernt zu haben, die mir nun nahe stehen.