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Erfahrungsbericht Study Camp “Memoric – Heroes of peace and pacifism remembered” 2015

Verfasst von Hanna Rask

This year collaboration of SCI Österreich and its long-term partner organization Dolomitenfreunde got a new addition to the yearly work camps in Carinthian Alps: the very first World War 1-themed study camp was organized in Kötschach-Mauthen, Carinthia in July. My EVS-volunteer project with Dolomitenfreunde being also supported by SCI, I got a privileged opportunity to follow this new kind of collaboration as a “part-time participant” besides by work in the war museum of Dolomitenfreunde in Kötschach.

In mid-July, a group of 11 young Austrians and Italians settled at Fit&Fun youth hostel in Mauthen for 10 days in order to learn about the history of World War 1 with the emphasis on their home countries and other topics related, such as pacifism, heroism and national borders. The camp was part of the SCI’s campaign Memory beyond Rhetoric, which aims at remembrance of WW1 and raising awareness about the history of pacifist movement in Europe and the diversity of perspectives concerning issues like war, peace and heroes.

The collaboration with Dolomitenfreunde and the camp took place mainly through the Museum which not only shares with SCI and the study camp the purpose of peace education, but also provided the camp with unique resources when it came to information, material and expertise about WW1. The whole group visited the museum on the very first day of their program to get an overview about the WW1 events in the area. Everyone being filled with the enormous load of information from the permanent exhibition, it took yet another visit later to see the special exhibition and to get more deeply engaged with artistic aspects of war.

From the educational point of view, an important aspect of the study camp was to let the participants learn not only by being given workshops and educational sessions, but also by giving them to other people. The first opportunity for that took place when the group of SCI volunteers working in the open-air museum of Dolomitenfreunde up in the mountains visited us in the village. Timelines, map puzzles, quizzes and games got a positive reception, and the best part was of course to get to know with these new people from six different countries. At the end of the camp the group also organized a workshop for the local community, which turned into a bit of improvisation – the program was planned mainly for an audience of younger people with not that much knowledge about the war history, so there was some confusion in the air when the small audience turned out to consist only of people with more age and knowledge than us. Eventually the expected roles where turned upside-down, the locals sharing their expertise with us instead the other way around.

The life during the camp in itself was no doubt an experience for all of the participants: spending 10 days intensively together with a multinational- and cultural group had its ups and downs from the new, emerging friendships to occasional language- or cultural barriers. Those days required flexibility from everyone when it came to decision making within the group. Disagreements or misunderstandings happened at times, was it about the type of cheese to be provided with pasta or just about time schedules or division of tasks. Especially for the youngest participants the camp was also both an experience of excitement and a test of independence while being far from home in a completely different environment. Some hypocrisy may, though, be noticed here in-between the lines – participating only part-time, I had myself the opportunity to take some breath of the intense socialization by sneaking to sleep at home and “relaxing” part of the day in the Museum.

Once more back to educational point of view. I find that the area around Kötschach-Mauthen provided the camp group with a unique scene for learning about WW1 events and life of the time. It definitely gave the participants some more concrete touch concerning the dates on a timeline and names of the battles to first see the huge collection of original photos and remained material items in the Museum, and later to walk in the middle of the remains of trenches, caverns and fortifications up in the mountains. A colorful addition were also the pieces of local “oral history” heard during the community workshop and the guided tour in the Museum.

This Finnish addition thanks and bows (as we say in Finland) the camp group, SCI and Dolomitenfreunde for the educational and entertaining 10 days.

More Information about Memoric

 

Memory beyond Rhetoric: Paths of Peace Study Camp

2015 gilt als Erinnerungsjahr des Ersten Weltkriegs. Da der SCI direkt nach den Gräueln dieses Krieges gegründet wurde, wurde die internationale Kampagne “Memory beyond Rhetoric” (mitbegründet vom Europe for Citizens Programme) ins Leben gerufen. In unterschiedlichen Study Camps treffen sich in diesem Jahr Freiwillige aus ehemaligen verfeindeten Ländern, um gemeinsam über die Grausamkeiten des Krieges zu sprechen, den Mythos des heldenhaften Soldaten kritisch zu analysieren und um über heutige Auswirkungen des Krieges zu sprechen.

Memory Beyond Rethoric 2015 - copyright: Valerie Weidinger

Memory Beyond Rethoric – copyright: Michaela Sohorz

Das Study Camp des SCI Österreich fand in Kötschach-Mauthen (Kärtnen) statt, also sich in unmittelbarer Nähe zu den ehemaligen Stellungen österreich-ungarischer und italiensicher Soldaten.

Die 12 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Italien und Österreich machten das Study Camp zu einem bilateralen. Die Freiwilligen forschten selbständig über den Ersten Weltkrieg und lernten durch Methoden non-formaler Bildung. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen an den belebten Diskussionen teil, kreierten ihr eigenes Lehrmaterial und tauschten ihre Ideen in offenen Prozessen aus.

Zu Beginn wurden Teambuilding-Spiele unternommen, um die Gegend gemeinsam zu erkunden und die Arbeit zu verteilen, die notwendig für das Zusammenleben war (Kochen, Putzen, etc.).

Als ersten Schritt konstruierten die Freiwilligen eine Zeitleiste zum Ersten Weltkrieg. In einem weiteren Schritt fügten sie die wesentlichen Ereignisse der italienisch-österreichischen Front hinzu und diskutierten über diese Ereignisse im Detail.

Da der SCI kurz nach dem Ersten Weltkrieg gegründet wurde, legten wir einen Schwerpunkt auf die Geschichte und Verbindung des SCI zum Ersten Weltkrieg. Wir machten außerdem Fotos, einen Social Media Report und sammelten Ideen zu Friedensarbeit im Allgemeinen. Pazifismus während und nach dem Krieg war ein besonders wichtiges Themenfeld. In tiefgreifenden Diskussionen analysierte die Gruppe Friede und gewaltfreie Bewegungen. Des weiteren veranstalteten wir einen Filmabend mit Filmen, die zum Thema passten. In einem Workshop zu Menschenrechten und zu geografischen Karten wurden die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs genauer untersucht. Ein Fokus wurde dabei auf Kriegspropaganda gelegt und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gestalteten selbst Propaganda-Flyer, um die Thematik besser zu verstehen. Im Zuge dessen besuchten wir auch eine Sonderausstellung im Museum der Dolomitenfreunde, welche „Kunst im Krieg. Krieg in der Kunst“ zum Titel hatte. In einem anderen Workshop sprachen wir über Helden und Heldinnen sowie deren Konstruktion und Dekonstruktion. Heldenhafte Personen von Friedensbewegungen wurden auch analysiert. In einem Workshop über Erinnerung und Gedächtnis diskutierten wir über nationale Heldengeschichten, die Medien von Erinnerungsarbeit und Gedächtnisgruppen. Wir besuchten zudem das Museum 1914-18 der Dolomitenfreunde, wo wir eine geführte Tour machten. An einem Nachmittag lernten wir über männliche und weibliche Rollenbilder im Ersten Weltkrieg indem wir Begriffspaare in einem kleinen Theater darstellten. Unsere Freiwilligen trafen außerdem die Gruppe des anderen SCI-Workshops, die am Kleinen Pal das Openair Museum in Stand halten und hielten einen Workshop über den Ersten Weltkrieg für sie. Das gesammelte Wissen des Camps wurde in einem öffentlichen Abschlussevent der lokalen Bevölkerung im Rathaus präsentiert.

Michaela Sehorz

Friedenswege „Paths of Peace“ in Kötschach-Mauthen

von Barbara Huppmann

Die Arbeit am Kleinen Pal ist seit über zwei Wochen beendet. Die Campteilnehmer sind alle nach Hause zurück gekehrt. Nach Russland, Polen und in die Tschechische Republik. Und ich sitze in Wien über den 400 Fotos, die ich nicht umhin konnte während der Arbeit zu schießen und muss mir eingestehen, dass ich das Workcamp richtiggehend vermisse.

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Ich vermisse es, all die tollen Leute um mich zu haben, die in vier verschiedenen Sprachen ununterbrochen durcheinander redeten und trotzdem jeden Tag gemeinsam an einem neuen Projekt arbeiteten. Sei es das Instand setzen einer alten Steinmauer, die nach hundert Jahren wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück versetzt wurde, das Anlegen eines neuen Weges für die Touristen, das Errichten von Bänken oder Schuppen, das Bergen von lang vergessenen Erinnerungsstücken… Ich vermisse das viele Lachen, die Workshops und die heißen Diskussionen, die ich mir mit den anderen Campteilnehmern lieferte. Das gemeinsame Schweigen angesichts von Dingen, die kaum mehr in Worte zu fassen sind. Ich vermisse die ausgedehnten und oft schweißtreibenden Wanderungen durch die karnischen Alpen. Und ich vermisse das überwältigende Gefühl, mit einer dampfenden Tasse Kaffee in der Hand den neuen Morgen zu begrüßen, und dabei auf das atemberaubendste Panoramazu blicken, das ich mir vorstellen kann. Schon als wir im Basislager angekommen sind war klar, dass uns zwei außergewöhnliche Wochen bevor standen. Die Dolomitenfreunde sind für viele Volontäre schon zu einer Art zweiten Familie geworden. Manche haben dort in früheren Jahren ihre jetzigen Ehepartner getroffen und kommen mit ihren Kindern in regelmäßigen Abständen auf Besuch um für einige Tage auszuhelfen und mit anzupacken.

Ich bin als Campleiterin des SCI mit einer Gruppe von fünf Mädchen dazu gestoßen. Barrieren gab es keine- es war klar, dass unsere Aufgabe darin bestand ebenjene einzureißen. Nachdem wir den mühsamen Anstieg über den Landsturmweg hinter uns gebracht hatten (600 Höhenmeter in ca. 1 Stunde!), bezogen wir Quartier in den zwei kleinen Hütten, die unser neues zu Hause werden sollten. Wie wohl wir uns dort bald fühlen sollten, wussten wir damals noch nicht. Wir hatten keine Ahnung, dass das Zusammen Sitzen im Kerzenlicht uns bald so lieb sein würde, dass niemand es mehr gegen Elektrizität eingetauscht hätte. Wir wussten auch nicht, wie viel Spaß es macht, sich die Haare in einem Kübel eiskalten Wassers zu waschen und dabei kopfüber dem Sonnenuntergang zuzusehen. Wir kannten noch nicht die Vorzüge einer gemeinsamen Schlafkoje auf dem Dachboden, die von der darunter liegenden Küche mit geheizt wird, und so manch einer vermisste später das malerische Ambiente unseres urigen Plumpsklos.

staatsgrenzeWenn ich zurück denke weiß ich nur noch, dass die erste Woche wie im Flug verging. Nachdem Martin, unser Bauleiter, uns herum geführt hatte, machten wir uns in Kleingruppen an die Erfüllung verschiedenster Aufgaben.

Es gab so viel zu tun, dass jeder sich etwas finden konnte, das ihn forderte aber nicht überanstrengte. Der eine schleppte lieber Steine oder legte neue Wege an, während andere die gelben Schilder auf ihre Vollständigkeit hin überprüften, Ausgrabungen vornahmen, den Rasen mähten oder Feuerholz hackten. Ein Dritter wieder entdeckte seine Leidenschaft fürs Drahtkorbflechten.

Während die Instandsetzung der alten Denkmäler und die Errichtung eines Freilichtmuseums 1915-1918 im Vordergrund unserer Arbeit standen, spielte das Zusammen Leben und Arbeiten an den ehemaligen Kriegsschauplätzen eine nicht weniger wichtige Rolle. Die Touristen die die „Via de la Pace“, die Friedenswege, entlang kamen, blieben nicht selten stehen um sich mit uns über unsere Arbeit zu unterhalten. Sie sahen die Freude, mit denen wir an die Arbeit gingen ohne je die Ernsthaftigkeit des Themas aus den Augen zu verlieren. „Wege, die einst Fronten trennten, sollen uns heute verbinden.“ Was sie sahen, war die österreichisch-italienische Grenze, die sich im Zickzack quer durch das ganze Lager zog. Was sie nicht sahen, aber vielleicht erahnten, war, dass wir abends alle gemeinsam um den Tisch saßen und uns gegenseitig einige Brocken der jeweils anderen Sprache beibrachten, dabei alle Nationalhymnen nacheinander durchsangen, die heimischen Tänze ausprobierten und uns von den Italienern mit Unmengen von  selbstgemachter Salami, hauseigenem Parmigiano und echten Cantuccini füttern ließen. Am Wochenende stiegen wir ins Basislager ab um in den Genuss von warmen Duschen zu kommen und uns mit unseren Kollegen auf der Hausalm auszutauschen. Diese hatten uns die ganze Woche über mit warmen Essen versorgt, das sie uns per Materialseilbahn auf den Kleinen Pal hochschickten. Sie verdienen unser besonderes Dankeschön! Nach einem Besuch im Schwimmbad und einem gemeinsamen Essen in Italien (nur 15 Minuten entfernt!) hieß es von einigen unserer Kollegen bereits Abschied nehmen. Die Volontäre des SCI sollten noch eine Woche bleiben während das übrige Team sich neu zusammen setzen würde. Es fiel uns nicht einfach. Aus Fremden waren Freunde geworden. So ist es jedes Mal und jedes Mal bin ich neu überrumpelt davon, wie eng man sich in nur einer Woche gegenseitig ans Herz wachsen kann.

4Die zweite Woche verging nicht viel langsamer als die erste. Nur, dass sich allmählich doch ein anderer Ton in die Arbeit einschlich. Das Thema Krieg wurde greifbarer. Am Wochenende hatten wir das Museum 1915-1918 in Kötschach-Mauthen besucht. Die Bilder und Erlebnisberichte verschafften uns noch direkteren Zugang zu der Zeitgeschichte, mit der wir uns Tag für Tag befassten. Die Mauern waren nicht länger kunstfertige Konstruktionen aus Stein sondern Stellungen hinter denen Menschen einmal gekämpft haben und gestorben sind. Viele der Volontäre verbrachten nun etwas mehr Zeit mit sich selbst und ihren Gedanken. Sie suchten die Diskussion und stellten von sich aus kritische Fragen, die wir in den abendlichen Workshops bearbeiteten. Ist Aggression ein Teil von mir? Ist sie das gleiche wie Gewalt? Wie trage ich in meinem Leben dazu bei Konflikt zu schüren…?

Wir besprachen Zitate berühmter Personen zum Thema Krieg, beschrieben Plakate über Plakate in stummen Diskussionen, spielten Konfliktsituationen in Form von Theaterstücken nach, befassten uns mit Psychologischen Theorien zur Kommunikation, wie dem Rosenberg-Modell, und versuchten uns mit allen möglichen Übungen und Anregungen in die Gruppendynamik zu vertiefen. Dennoch blieb der Hunger nach immer mehr Input und Auseinandersetzung mit dem Thema unstillbar. Ich war fasziniert, wie wissbegierig die Volontäre waren und wie wir vom Hundertsten ins Tausende kamen, sobald die Diskussion ihren Gang nahm. Hätten wir noch zwei Wochen Aufenthalt dran gehängt, dann wäre uns das Material für abendliche Gespräche trotzdem nicht ausgegangen. Aber die Kräfte neigten sich allmählich dem Ende zu. So schön es auch war, jeder spürte für sich, dass die zwei Wochen körperlicher Arbeit begannen, sich bemerkbar zu machen und man sehnte sich im Stillen nach wieder nach regelmäßigen, warmen Duschen, weichen Federbetten und nach ein paar geruhsamen Tagen des Nichtstuns.

Der Abschied kam dann doch überraschend schnell, wenn auch nicht anders erwartet. Unter vielen Tränen und noch mehr Lachen versprach man sich in Kontakt zu bleiben und sich gegenseitig zu besuchen. Es war ein würdiger Abschluss für ein Camp, das die internationale Verständigung und die Überwindung von Grenzen zum Ziel hatte. Die Volontäre konnten zu Recht stolz auf sich sein. Ich selbst reiste nach Hause mit einem Lächeln auf den Lippen, einem wohligen Gefühl im Bauch und mit dem Versprechen, dass ich einige der Volontäre im nächsten Jahr auf dem Kleinen Pal wiedersehen würde.

2010