Unvergessliche Erfahrungen: Workcamps in Palästina

Verfasst von Florian Rogger

Es gibt viele Gründe, um an Workcamps des SCI teilzunehmen: viele TeilnehmerInnen sind bestrebt, mittels ihrer Mitarbeit in Renovierungscamps, sozialen oder kulturellen Projekten, Teil einer (kleinen) Veränderung vor Ort zu sein. Für andere wiederum stehen Sprachpraxis oder das Kennenlernen einer ihnen bis dato unbekannten Kultur im Vordergrund.

Die Motivationen überlappen natürlich und oft fällt es Freiwilligen schwer, ihre primäre Motivation zu benennen. Als ich mich vor ca. einem Jahr entschieden habe, im darauffolgenden Sommer an zwei workcamps in Palästina teilzunehmen, war meine primäre Motivation klar: ich wollte mehr über den Nahostkonflikt erfahren und rausfinden, wie der Konflikt das Leben der Menschen vor Ort beeinflusst.

Die Camps befanden sich rund eine Autoviertelstunde von Bethlehem entfernt auf einem Hügel in der Nähe des Dorfes Nahalin. Dieser Hügel war umzingelt von israelischen Siedlungen, die alle über Straßen, Beleuchtung und fließendes Wasser verfügten, drei grundlegende Voraussetzungen, um in diesem steppenartigen Gebiet leben zu können. Voraussetzungen, die dem Palästinenser, dem das Campareal gehört, seit Jahrzehnten verwehrt werden.

Doch es blieb nicht viel Zeit, sich auf diese absurde Situation einzustellen, da das erste Camp, welches der Kinderbetreuung gewidmet war, bald begann. Das Camp war recht anstrengend, da wir jeden Tag ein relativ fixes Programm zu erfüllen hatten und die Kinder mitunter mehr Energie hatten, als wir internationalen Freiwilligen. Die Kinder, die zum Teil aus palästinensischen Flüchtlingslagern kamen, unterschieden sich indes in vieler Hinsicht nicht von europäischen Kindern: auch ihre Idole schienen offensichtlich Hannah Montana, Francesco Totti, oder die Stars des FC Barcelona zu sein. Für den Großteil dieser Kinder gehörten auch facebook und andere Internetanwendungen zum Alltag. Erst als im Rahmen der diversen workshops auch die Folgen der politischen Situation zur Sprache kamen, wurde uns internationalen Freiwilligen klar, dass die Kinder sich ihrer Situation bewusst waren, jedoch ihren Weg gefunden hatten, damit umzugehen…

Das zweite Camp war der Mandelernte gewidmet und wie schon im ersten Camp waren wir wieder eine internationale Gruppe von Freiwilligen, die für zwei Wochen zusammenarbeitete. Das bedeutete, die rund 300 großen und kleinen Mandelbäume abzuernten, bei 30° im Schatten eine nicht ganz einfache Aufgabe. Die absurde politische Situation wurde uns bei diesem Camp auf andere Art und Weise bewusst: während wir bestrebt waren, auch die entferntesten Mandeln in den Baumwipfeln zu erreichen, hörten wir den Baulärm von den Siedlungen, ein zu unmittelbares Indiz für deren Ausbau…

Bei beiden Camps unternahmen wir diverse Fieldtrips nach Nablus, Hebron und an das Tote Meer wo wir die atemberaubende Landschaft genießen konnten. Alles in allem machte ich in fünf, mitunter anstrengenden, aber auch unheimlich spannenden Wochen eine Vielzahl von Erfahrungen, die ich mein Leben lang nicht mehr vergessen werde!

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