Workcamp Poysdorf, 25-28 September 2014

Verfasst von Jana Forsthuber

Foto: Gabriele Pfundner
Foto: Gabriele Pfundner

Nach vier Tagen im Wochenend-Workcamp in Poysdorf weiß ich jetzt endlich, wo das Weinviertel wirklich ist, und werde es nicht mehr verwechseln. Was natürlich die Hauptsache ist. Ich weiß aber auch, dass der Kreuzenzian-Ameisen-Bläuling eine Schmetterlingsart ist, und was seine Raupe macht. Nämlich auf dem seltenen Kreuzenzian heranwachsen, Ameisenlarven fressen und sich von den anderen Ameisen aufziehen lassen. Und da ich bei unserer Pantomime, die im prasselnden Regen unter einer Plane stattfand, zu einer tragenden Rolle kam (die der Ameise), war auch gleich die Schüchternheit ein bisschen aufgelockert.

Foto: Jana Forsthuber
Foto: Jana Forsthuber

Wir standen also am ersten Tag zu neunt dort auf der Wiese, umgeben von Hügeln, Sträuchern und holprigen Wegen, wir kannten uns noch nicht wirklich gut, wollten arbeiten, und es schüttete. Also hielten wir mit allerlei Werkzeug, Heugabeln und Rechen die Plane über uns, was immerhin auch unsere Kreativität, Geschicktheit und Kraft erforderte. Nach einigen Minuten Einführung und Warten auf trockeneres Wetter rechten (das Wort liest sich komisch, aber es ist das Arbeiten mit dem Rechen gemeint) wir allerdings doch noch erstaunlich viel Heu vom gemähten Hang.

Auch die darauffolgenden Tage lassen sich vor allem durch die Arbeit in der Natur, das trübe Wetter, das gute Essen und die wirklich freundlichen, offenen und motivierten Gesichter der Gruppe und OrganisatorInnen charakterisieren. Während wir ein Stück weit dazu beitrugen, die vielfältigen Arten der Trockenrasen zu schützen, spielten wir auch unterhaltsame Gesellschaftsspiele, aßen verkohlten Paprika vom Grill in der Nacht und frische warme Nuss-Schnecken zum Frühstück, sprangen ins eiskalte Teichwasser und wurden von einem netten Weinbauern mit einem Traktor durch die Kellergassen geführt.

Foto: Gabriele Pfundner
Foto: Gabriele Pfundner

Den SCI hab ich vorher als Ehrenamtliche schon gut gekannt, ein Workcamp ist aber doch durch die vielen neuen Leute nie wirklich vorhersehbar. Man weiß nie, wie selbstständig eine Gruppe zusammenhält, welche Dynamik entsteht und wer Verantwortung übernimmt. Dadurch, dass es nur vier Tage waren, war es ein sehr schnelles Kennenlernen, was sich aber ganz sicher noch vertiefen kann, wenn die Leute sich wo anders wieder begegnen. Die meisten kamen aus Österreich und Deutschland, eine Tschechin und eine Ukrainerin waren noch dabei, und im Laufe der Arbeit kam man immer wieder mit allen von ihnen in Kontakt. Die Stimmung war gelassen, zu Beginn ein wenig schüchtern, und am Abend noch lange lustig. Das Essen war vegetarisch, weil Vegetarierinnen fast die ganze Gruppe ausmachten, mit Ausnahme des männlichen Teilnehmers, dem trotzdem eine Chance gegeben wurde, sich zu integrieren;), und für welchen öfters etwas zusätzliches zur Verfügung stand. Eine Schulküche bereitete für uns in den ersten Tagen gleich mehrere Gänge vor, von Salat und Suppe bis zu veganer Lasagne, Spätzle und Kuchen. Die sonstige Freizeit verbrachten wir meist am Campingplatzgelände, wo wir in einem Haus mit Sanitäranlagen und improvisierter Küche untergebracht waren.

Foto: Melanie Balaz
Foto: Melanie Balaz

Erst am letzten Tag schien die Sonne, wir fuhren wieder zu einer neuen Wiese und gönnten uns danach als Belohnung ein Eis. Zurück bleibt eine vollbrachte Arbeit von mehreren hundert Quadratmetern Trockenrasen, die in den kommenden Jahren nicht weiter mit Sträuchern zuwachsen sollen, ein Eindruck von den netten Menschen im Naturschutzbund und in der Gruppe selbst, und ein Bild von weiten Hügeln mit erntereifen süßen Weintrauben (die selbstverständlich nie gekostet wurden).